oder: Was macht denn der Infoladen?

Vor eineinhalb Jahren haben wir begonnen, auf einen neuen Infoladen in Kiel hin zu arbeiten. Anfänglich übernahmen wir den Begriff „Infoladen“. Nach einer längeren Auseinandersetzung und Diskussion kamen wir zu dem Entschluss, dass wir uns nicht mehr mit dem Namen „Infoladen“ für unser Projekt und unsere damit verknüpften Vorstellungen identifizieren können. Ein Blick in die Vergangenheit und somit auch einer auf unsere linksradikale Geschichte, lies uns feststellen, dass ein Infoladen etwas anderes war, als das was wir in Gaarden aufbauen möchten.
Durch den Verlust an Bedeutung der Infoläden mit dem Aufkommen des Internets und dem allgemeinen Abwärtstrend linker Strukturen, machte auch für uns deutlich, dass es uns hier nicht in erster Linie um die Weitergabe von Gegeninformationen geht. Diese sind durch das Internet für jede/n jederzeit abrufbar. Daher nun Libertärer Laden.

Wir wollen viel mehr!

Mit den neuen Räumen in der Illtisstr. 34 wollen wir in Gaarden und somit auch in Kiel eine neue, selbst verwaltete Struktur schaffen.
Die radikale Linke befindet sich, in Hinsicht auf Räume wie z.B. Häuser, Zentren etc., seit Jahren in einem Abwehrkampf gegenüber dem Staat und den sich verschärfenden kapitalistischen Verhältnissen. Mit dem Niedergang größerer, sozialer Bewegungen in der BRD, fällt es dem Staat natürlich auch leichter selbstverwaltete, mißliebige linke Projekte zu Räumen oder gleich platt zu machen. Wie in Gaarden 1997 mit der gewaltsamen Räumung der besetzten Karlstal Villa in der Elisabethstrasse, wo ein autonomes Wohn, Polit-und Kultur Zentrum entstehen sollte. Dieser defensiven Haltung wollen wir, durch die Räumlichkeiten in der Iltiss34 in Kiel, ein kleines Stück linksradikaler Struktur entgegensetzen.
Der neue Raum ist Ausdruck unserer Sehnsucht und Willens nach aktiver Politik und Wissen, dass das Ende der Geschichte mit dem Kapitalismus längst nicht geschrieben ist und dieses System nicht freiwillig abtreten wird!
Die Räume sollen eine Ergänzung zu den schon bestehenden Strukturen in Kiel darstellen. Es soll eine Nahtstelle für eine bessere Organisierung und Vernetzung geschaffen werden, ein Raum für Information, Diskussion, der Begegnung, Kommunikation, der von allen gefüllt werden kann, ob Beratung , VoKü, Infoveranstaltungen, Kino, Kaffeepläuschchen, Raum für Treffen oder die Teilnahme am NutzerInnenplenum. Die Räumlichkeiten sollen nicht nur „Wohnzimmer für die Szene“ in Gaarden werden, sondern, Menschen, die keinen Zugang zu linksradikaler Politik haben einen ermöglichen. Weiterhin sehen wir in Gaarden Anzeichen von kapitalistischer Aufwertung, sogenannter Gentrification: Vertreibung von DrogenkonsumentInnen durch Privatisierung von Teilen des Vinetaplatzes, abschrauben von Bänken im öffentlichen Raum und Umwandelung von „wilden“ Plakatflächen in kommerzielle, stehen im Zeichen der Hamburger STEG (Stadtteilentwicklungsgesellschaft), sind z.B. ein Anfang dessen.
Hier sehen wir auch Potential für Ansätze von Stadtteilarbeit im besten Falle mit den Menschen aus dem Stadtteil zusammen. Unsere wichtigste Aufgabe sehen wir jetzt erst einmal darin, die Räume für alle, die interessiert sind offen zu halten und ihnen und somit euch, eine Struktur in Gaarden zu stellen.
Also die Räume sind offen und nutzen können sie ALLE!

Warum nicht der alte Infoladen “Beau Rivage“ in der Hansastr.48, warum in Gaarden?

Dies ist für uns eine räumliche als auch eine politische Entscheidung gewesen. Natürlich finden wir es wichtig, an erkämpfter, linksradikaler Struktur anzuknüpfen.
Der alte Infoladen auf dem Kieler Westufer hingegen wird seit Jahren aber politisch kaum genutzt und liegt brach. Ein Grund mag der unattraktive Standort sein. Die politisch aktiven Zeiten von StudentInnen scheinen, vorerst, passé und die aktive linksradikale Szene hat sich zu einem großen Teil nach Gaarden verlagert. Für die Organisierung der Räume und dem Bestehen des Projektes ist es uns wichtig, dort zu sein wo Menschen sind, die ihn potentiell nutzen werden.

Wie werden die Räume verwaltet? Warum ein Verein?

Wir haben die Räumlichkeiten zusammen mit den Falken und der Roten Hilfe angemietet. Zur gemeinsamen Organisierung der Räume wurde das NutzerInnenplenum (NP) ins Leben gerufen. Das NP ist eine offene Struktur, in der im Konsensprinzip entschieden wird. Nur so kann ein solidarisches Durch-und -miteinander gewährleistet werden. Wir wollen tagtägliche Rassismen, Sexismen und weitere Unterdrückungsmechanismen aufdecken, uns kritisch damit auseinandersetzen und ihnen entgegenwirken. Der „Verein zur politischen Bildung in Gaarden e.V.“ ermöglicht uns eine bequeme Umsetzung der Finanzierung. Über Fördermitglieder können wir per Einzugsermächtigung eine regelmäßige und verlässliche Finanzierung sicherstellen. Zur Zeit ist die monatliche Miete knapp gedeckt, für die weitere Ausstattung mit Inventar, Zeitung -und Zeitschriftenabo`s, Internet und Telefon ist das Projekt auf weitere, möglichst regelmäßige Spenden angewiesen.

Bringt eure eigenen Ideen, Träume und Vorstellungen mit!
Und lasst uns zusammen einen lebendigen, politischen Ort schaffen.
Denn das Projekt ist das, was Ihr daraus macht!